Woran man ein gutes Hotel erkennt, bevor man dort war
Fünf Sterne bedeuten in der Schweiz mindestens 610 von 988 Punkten in einem Katalog mit 239 Kriterien. Was Sterne und Bewertungen tatsächlich messen, was Fotos verschweigen und ein Test, der zehn Minuten dauert.

Was Sterne messen
In der Schweiz, Deutschland, Österreich und weiteren Ländern vergibt die Hotelstars Union die Sterne, heute in 22 Mitgliedsländern. Der Katalog für 2025 bis 2030 umfasst 239 Kriterien in sieben Bereichen. Für drei Sterne braucht ein Haus 270 Punkte, für vier 410, für fünf 610, bei maximal 988.
Das heisst: Zwei Fünfsternehäuser können sich um mehr als dreihundert Punkte unterscheiden. Die Zimmergrösse ist dabei ein Wahlkriterium, das Punkte bringt, keine Bedingung für eine Kategorie. Sterne sagen, was ein Haus hat. Sie sagen wenig darüber, wie es geführt wird.
Und ausserhalb dieser Länder
Frankreich, Italien, Spanien, Grossbritannien und die USA sind nicht Mitglied der Hotelstars Union. In den USA gibt es keine staatliche Klassifizierung, nur private Systeme wie AAA oder den Forbes Travel Guide. Frankreich klassifiziert über Atout France, Italien regional.
Wo keine offizielle Einstufung existiert, vergeben Buchungsplattformen ihre Sterne oft selbst und weisen darauf hin, dass sie keine Zusicherung bestimmter Eigenschaften sind. Die fünf Sterne neben einem Hotel in Miami und die fünf Sterne neben einem Hotel in Zürich meinen also nicht dasselbe.
Was Bewertungen messen
In der EU müssen Plattformen seit der Omnibus-Richtlinie offenlegen, ob und wie sie sicherstellen, dass Bewertungen von echten Gästen stammen. In den USA verbietet eine Regel der Federal Trade Commission seit 2024 erfundene und gekaufte Bewertungen, nicht offengelegte Bewertungen von Mitarbeitenden und das Unterdrücken negativer Bewertungen.
Das macht Bewertungen ehrlicher, aber nicht nützlicher für Eure Frage. Eine Durchschnittsnote mischt Geschäftsreisende, Familien und Paare. Brauchbar sind Muster: Wenn dieselbe Beschwerde über Monate wiederkehrt, etwa Lärm aus der Bar unter bestimmten Zimmern, ist sie ein Befund. Einzelne Ausreisser nach oben und unten sind es selten.
Was Fotos verschweigen
Hotelfotos zeigen fast immer die beste Kategorie, im besten Licht, mit einem Objektiv, das Räume grösser macht. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob das Zimmer schön aussieht, sondern welches Zimmer auf dem Bild ist. Steht das nirgends, fragt nach.
Ebenso aufschlussreich ist, was fehlt. Ein Haus mit einer eindrucksvollen Lobby, aber ohne ein einziges Bild der günstigsten Kategorie, hat meistens einen Grund dafür.
Was der Endpreis enthält
In den USA müssen Hotels seit dem 12. Mai 2025 den Gesamtpreis inklusive aller verpflichtenden Gebühren als auffälligste Angabe zeigen. Steuern dürfen getrennt bleiben, müssen aber vor der Eingabe der Zahlungsdaten offengelegt sein. Andernorts gibt es solche Regeln nicht überall. Resort Fees, Pflicht-Halbpension zu Festtagen oder Gebühren für Transfers tauchen dann erst spät auf.
Der Test, der zehn Minuten dauert
Schreibt dem Haus direkt eine E-Mail mit drei konkreten Fragen:
- Welche Zimmerkategorie ist auf dem Hauptbild der Website zu sehen?
- Wann wurde die Kategorie, die wir buchen möchten, zuletzt renoviert?
- Welche Kosten kommen vor Ort zum gebuchten Preis dazu?
Die Antworten sind wichtig. Wie das Haus antwortet, ist oft wichtiger: wie schnell, wie genau, ob die Fragen beantwortet oder mit einem Prospekt umgangen werden. Ein Haus, das vor der Buchung ausweicht, wird es danach selten anders machen.
Was ich an Eurer Stelle täte
Sterne als Untergrenze nehmen, nicht als Rangliste. Bewertungen nach wiederkehrenden Mustern lesen, nicht nach der Note. Und vor jeder grösseren Buchung die drei Fragen oben stellen. Genau das mache ich im Hotel Check, nur mit dem Blick von jemandem, der die Antworten aus dem Betrieb kennt.


